Wie die Psyche unser Essverhalten lenkt!

Essen ist stets und überall verfügbar, zumindest für uns Menschen der westlichen Industrienationen. Gleichzeitig werden wir immer dicker, besonders in den jüngeren Jahrgängen. Das hängt unter anderem mit einem Fehlverhalten in Sachen Essen und Bewegung zusammen; ebenso mit dem Konsum der falschen Nahrungsmittel, die bekanntermaßen überwürzt und geschickt manipuliert werden, damit wir davon immer mehr konsumieren.

Hunger und Appetit

Normalerweise zeigt uns das Hungergefühl, dass wir etwas essen sollten. Es ist ein biochemischer Prozess, der aus diversen Kontrollsystemen unseres Körpers zusammengesetzt ist. Die Wissenschaft weiß bis heute nur teilweise, wie diese Systeme funktionieren. Es sind Magenkontraktionen (das „Magenknurren“), Rezeptoren im Darm und Hormone daran beteiligt. Unser raffiniert ausgestatteter Körper misst außerdem den Zucker- und Insulingehalt im Blut. Alle Meldungen werden an das Gehirn geleitet. Bei einem Missverhältnis verspüren wir echten Hunger.

Etwas anderes ist der Appetit. Er gilt in der Wissenschaft als eher psychisches Thema: Im Unterschied zum Hunger, der für das Überleben unseres Körpers wichtig ist, reizt uns der Appetit, das eine oder andere Häppchen zu viel zu essen. Stärker als Hunger resultiert unser Appetit aus Düften und Optiken: Wir sehen ein Stück Kuchen, wir riechen es und bekommen Appetit. Wenn wir es uns „gönnen“, haben wir bei einem ansonsten normalen Tagesverlauf ein Plus gegessen, das sich als „Hüftgold“ an den bekannten Stellen niederlässt. Ein gesunder Mensch verkraftet das. Sein Körper signalisiert automatisch ein Sättigungsgefühl und er wird dann voraussichtlich abends weniger essen. Ist er sportlich orientiert, wird er sich automatisch mehr bewegen.

Körper und Psyche

Das Problem mit dem Essen entsteht erst, wenn Körper und Psyche nicht mehr zusammenarbeiten. Es können starke Essstörungen entstehen, beispielsweise Magersucht und Bulimie. Das falsche Essen unter Stress ist vielen aus dem Alltag bekannt und kann ein Vorläufer klinischer Erkrankungen sein.

Auslöser gibt es genug: Der eine pflegt seine Eltern, der andere ist beruflich so stark eingespannt, dass die Arbeit das ganze Leben beherrscht. Vielleicht ist das Geld andauernd knapp oder es drücken Schulden. Ein großer Haushalt mit mehreren Kindern ist ebenfalls stressig (wenn auch gewollt). Manche Ehe ist eher ein Stresstest als eine harmonische Partnerschaft. Wie schnell greifen wir bei solchen Anspannungen zu einem süßen/deftigen Teilchen, aber auch zu Alkohol und Zigarette als Essensersatz.

Wenn wir den Stress nur gelegentlich spüren, bemerken wir unsere falschen Reaktionen. Wird das Ganze jedoch zum Dauerzustand, wird auch unser aus dem Ruder laufendes Essverhalten zur Routine. Der Körper ist durcheinander, seine Botschaften (hungrig oder satt zu sein) werden nicht mehr richtig vermittelt und/oder nicht mehr wahrgenommen. Es sind grenzwertige Situationen, die sich über Jahre einschleichen. Der Betroffene verliert irgendwann meist das Maß und den richtigen Blick dafür. Es besteht die Gefahr, in eine Ess- oder Magersucht zu rutschen.

Nein sagen (können)

Zu all dem Alltagsstress kommen Momente, wo wir schlecht Nein sagen können: Geburtstage, Firmenessen, Feste wie Ostern und Weihnachten oder Urlaubszeiten. All dies setzt uns ebenfalls unter Stress oder wir wollen uns nach Herzenslust entspannen – und schlagen wieder über die Stränge.

Die Gefahr liegt in der verlorenen Impulskontrolle. Kann ich den Impuls, jedes Mal zuzugreifen, über längere Zeit nicht mehr steuern, werde ich übergewichtig. Das zusätzliche Gewicht bereitet unter anderem beim Sport Probleme, auch fühle ich mich sozial ausgegrenzt – was zu noch mehr falschem Essen führt. Krankheiten wie Diabetes, Bluthochdruck und Gelenkprobleme sind die Folge. Bei Magersüchtigen droht buchstäblich der Hungertod.

Essen als Belohnung

Das befriedigende Essen sorgt für Beruhigung in Gehirn und Körper. Das Belohnungssystem („Das habe ich mir jetzt verdient“) wird aktiviert. Die Betroffenen – und natürlich auch diejenigen, die zu wenig essen – leben am besten nach einem klaren Plan mit Rezepten: Frühstück, Mittagessen, vielleicht ein Nachmittagssnack, Abendessen; dazu gesunde Gemüseknabbereien am Abend vor dem Fernseher – was in der Konsequenz bedeutet, keine Chips und Ähnliches mehr zu kaufen. Das alles ist wesentlich schwieriger umzusetzen, als zu lesen.

Sich professionell helfen lassen

Wer die Gefahr erkannt hat, es aber selbst nicht schafft, kann sich bei mir professionelle Hilfe holen. Eine Psychotherapie kann ebenso wirksam sein wie Hypnose. Es geht nicht um die rasante Umstellung von heute auf morgen: Um sein Verhalten dauerhaft zu ändern, muss die Ursache des Übels, die meist in unserer Psyche liegt, gefunden und bearbeiten werden.

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